Nextcloud bietet drei Verschlüsselungsebenen: Transportverschlüsselung (TLS), Server-Side Encryption (SSE) und End-to-End Encryption (E2EE). Welche wann sinnvoll ist und was wir bei der Linuxfabrik einsetzen.
Schützt vor Lauschangriffen auf der Leitung. Schützt nicht vor kompromittierten Geräten oder Servern. Pflicht für jede Nextcloud-Installation.
Optional. Jede Datei wird vor dem Speichern mit einem eindeutigen Schlüssel verschlüsselt: entweder mit einem Master Key (Default, aus Funktions- und Performance-Gründen), oder mit einem Schlüssel pro Benutzer. SSE verschlüsselt nur den Dateiinhalt, nicht die Namen oder die Ordnerstruktur.
SSE wurde ursprünglich eingeführt, um External Storage wie Dropbox sicher anzubinden: Nextcloud sorgt dann dafür, dass Daten ausserhalb des eigenen Standorts verschlüsselt landen.
Der Master Key (technisch ein Passwort zum Entschlüsseln der Dateien) wird mit Hilfe des Secrets in der config.php verschlüsselt im Nextcloud-Datenverzeichnis abgelegt und lässt sich im Disaster-Fall wiederherstellen.
Per-User-Schlüssel liegen in den Datenverzeichnissen der einzelnen Benutzer und werden mit deren Benutzerkennwort verschlüsselt. Mit aktiviertem Per-User-Key ist der Einsatz eines Online-Office (Collabora, OnlyOffice) nicht mehr möglich, weil der Server-Prozess die Datei ohne Benutzer-Session nicht entschlüsseln kann.
Liegt das Datenverzeichnis auf demselben System wie Nextcloud, ist der Schutz minimal: der Schlüssel liegt am Ende mit den Daten zusammen. Soll der Inhalt vor dem Serverbetreiber verborgen bleiben, ist E2EE das richtige Werkzeug, nicht SSE.
Der ultimative Schutz der Benutzerdaten. Der Server hat zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf Schlüssel oder unverschlüsselte Dateien. Der Sync-Client verschlüsselt die Daten vor dem Upload, und zwar innerhalb des E2E-markierten Ordners (nicht in dessen Unterordnern).
Mit E2EE-Ordnern entfallen:
Die Suchmaschine kennt die Inhalte nicht, weil der Server sie schlicht nicht sieht. E2E lässt sich für einen oder mehrere Ordner aktivieren: deren Inhalt wird vollständig vor dem Server verborgen, einschliesslich Dateinamen und Verzeichnisstruktur.
Um Ordner zwischen mehreren Geräten zu synchronisieren, brauchen Benutzer eine Mnemonic-Passphrase, die das erste Gerät beim Aktivieren von E2EE erzeugt: 12 zufällige englische Wörter (im Stil eines BIP39-Wordlists, generiert mit WordList::getRandomWords(12) im Desktop-Client).
Dateien, die anschliessend in diesen Ordner landen, werden nur noch verschlüsselt zum Server hochgeladen. Beliebig viele Ordner können verschlüsselt werden.
Der gleichzeitige Betrieb von SSE mit lokal verschlüsseltem Benutzerverzeichnis und E2EE ist zwar technisch möglich, wird aber nicht unterstützt und führt zu Problemen.
Egal welche der beiden serverseitigen oder clientseitigen Methoden zum Einsatz kommt: verschlüsselt werden nur Dateien. Kalender, ToDo-Listen und andere DAV-Daten werden nicht verschlüsselt, da es im Bereich CalDAV an Clients fehlt, die das unterstützen.
Den Entscheid überlassen wir dem Server-Administrator vor Ort.
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